Die Küche ist Herzstück und Werkstatt zugleich. Wenn du beim Fertighaus schon in der Entwurfsphase sauber planst – Wasser, Abwasser, Strom, Licht, Abluft – sparst du dir später Chaos und teure Nachträge. Hier mein kompaktes Praxis-How-to aus Bauherren-Sicht.

Warum ich Küchenplanung so früh ziehe
Ich hab’s einmal zu spät geplant – seitdem gilt: Küche parallel zum Grundriss. Spülzone, Kochstelle und Insel bestimmen Anschlusspunkte und Starkstrom. Fehlt das in der Werkplanung, wird jede „zusätzliche Dose“ teuer. Mein Weg: früh eine Grobskizze vom Küchenstudio (Geräte, Raster, Höhen) und damit direkt in den Elektro-/Sanitärplan.
👉 Mein Praxistipp: Stell dich gedanklich in deine künftige Küche: Wo schneidest du? Wo steht die Kaffeemaschine? Diese Wege entscheiden über Steckdosen – nicht der Katalog.
Anschlusszonen, die später Ärger ersparen
Spüle & GSP: Kalt/Warm/Abwasser zentriert auf 50 cm unter der Spüle; GSP mit eigener 230-V-Dose im Unterschrank.
Herd/Backofen: Für Induktion 400 V (Drehstrom) auf eigenem Kreis; Backofen separat abgesichert.
Dunstabzug: Wenn Abluft, dann kurz und gerade durch die Außenwand; Umluft bleibt Plan B.
Kühlschrank & Geräteturm: Eigene Dosen, plus Servicesteckdose dahinter.
Kleingeräte-Realität: Über der Arbeitsplatte mind. 6–8 Steckdosen, verteilt auf Kaffee/Backen/Vorbereiten.
👉 Mein Praxistipp: Sechs Dosen sind okay. Acht sind Alltag. Zehn machen dich an Weihnachten glücklich.
Maße & Ergonomie, die sich bewährt haben
Arbeitshöhe messe ich nicht pauschal: „Ellenbogenhöhe minus 10–15 cm“. Große Menschen landen oft bei 92–95 cm.
Abstand Insel ↔ Zeile: Unter 90 cm wird’s eng; 100–110 cm funktioniert alltagstauglich – auch zu zweit.
Oberschrank-Abstand: 50–55 cm über APL, damit Topf & Maschine gleichzeitig Platz haben.
Fenster & Armatur: Kippflügel kollidieren gern mit hohen Armaturen – Klapp-Armatur oder Fensterbank +2–3 cm löst es elegant.
👉 Mein Praxistipp: Ich sichere mir ~60 cm freie Strecke rechts vom Kochfeld für Schneidbrett, Öl & Gewürze. Links darf’s knapper sein – Gewohnheitssache.
Die Kochinsel – schön gedacht, nur gut geplant wirklich praktisch
Eine Insel sieht auf jedem Render gut aus, entscheidet sich aber an Leerrohren und Stromkreisen. Der schönste Satz auf der Baustelle? „Das Leerrohr liegt schon.“ Bei meinem ersten Haus kam der Satz leider zu spät – Estrich war drin, Kabel liefen über den Sockel. Nie wieder.
Heute mache ich’s so:
– Für Strom (Steckdosen/Induktion) mind. zwei 25er-Leerrohre vom HWR bis Inselmitte.
– Wasser auf die Insel? Dann gleich gedämmte Leitungen + Ablauf einplanen; nachträglich kaum sauber lösbar.
– Insel-Tiefe etwas größer (≈ 95 cm), damit zwei Leute bequem arbeiten.
– Abstand rundum 100–110 cm – Schubladen und GSP kollidieren sonst.
👉 Mein Praxistipp: Steckdosen auf der Gäste-Seite nicht vergessen: zwei flache Einbaustecker unter der APL retten jeden Brunch.
Licht als System, nicht als Lampe
Abends will ich’s warm, beim Zwiebelschneiden hell – zwei Welten, zwei Schalter. Ich trenne in Arbeitslicht, Raumlichtund Akzentlicht. Unterbau-LEDs machen die Fläche schattenfrei; Pendel über der Insel sorgt für Stimmung; eine zentrale Deckenleuchte füllt den Raum. Schalterlogik: eine Wippe pro Zone – sonst klickst du dich nachts durch.
👉 Mein Praxistipp: Eine Steckdose im Hängeschrank für die Kaffee-Nische und eine im Apothekerschrank für Mixer – unsichtbar, aber jeden Tag Gold wert.
Insel mit Wasser? Realistisch bleiben
Wasser in der Insel ist Luxus und Logistik. Ich plane Kernbohrung + gedämmte Leitungsführung und kläre früh, wer’s macht (Fertighausfirma oder Küchenbauer). Unklare Zuständigkeiten enden gern in „bauseits“.
👉 Mein Praxistipp: Unsicher? Starte mit Strom-Insel (Kochfeld/Steckdosen) und halte einen leeren Rohrzug für späteres Wasser vor. Optionen ohne Risiko.
Fehler, die ich konsequent vermeide
– Insel geplant, aber kein Leerrohr → Strom nur noch über Sockel-Umwege.
– Fenster zu niedrig über Spüle → Armatur kollidiert.
– Zu wenige Stromkreise → Herd, GSP, Kombi-Dampf, Wärmeschublade brauchen eigene Absicherung.
– Dunstabzug erst am Ende → Der kürzeste Weg nach draußen muss im Rohbau stehen.
– Nur Deckenlampe → Schatten genau auf der Arbeitsfläche.
So kläre ich die Schnittstellen mit dem Fertighaus-Anbieter
Ich notiere früh, wer macht was: Leitungen (Sanitär/Elektro), Wanddurchbrüche, Kernbohrungen, Abdichtung, Schalter/Dosen laut Ausstattungsliste. Spätestens vor Werkplanung gleiche ich Küchenstudio-Skizze ↔ Haus-Elektroplan ab. Jede Änderung nach Freigabe ist ein Nachtrag – lieber vorher eine Stunde genau planen.
Mini-Checkliste
• Küchenlayout fix, Geräte positioniert
• Wasser/Abwasser/400 V/230 V/Abluft im Plan markiert
• Insel-Leerrohre im Boden vorgesehen
• Steckdosen über APL ≥ 6 + 2 Reserve
• Lichtzonen + Schalterlogik festgelegt
• Zuständigkeiten (Fertighaus vs. Küche) geklärt
Plane ehrlich nach deinem Morgen: Kaffee, Brett, Messer. Hochglanz kommt später. Je früher du deine Gewohnheiten in Anschlusspunkte übersetzt, desto ruhiger läuft der Bau – und desto besser funktioniert der Raum im Alltag. Gute Küchenplanung ist kein Deko-Thema, sondern Bau-Thema. Zwei unsichtbare Reserven sehen keiner, aber du dankst dir jeden Morgen beim Kaffee.
FAQ
Küchenplanung im Fertighaus
Abluft ist effizienter, braucht aber kurzen, geraden Außenweg und saubere Abdichtung. Umluft ist einfacher, aber wartungsintensiver. Plane Abluft, wenn die Gebäudehülle es erlaubt.
.fg-authorbox{margin:22px 0 0;padding:18px;background:#f2f2f2;border-radius:8px} .fg-authorbox__name{font-weight:700;font-size:18px;margin:0 0 6px} .fg-authorbox__role{font-weight:600;opacity:.85;margin:0 0 10px} .fg-authorbox__bio{margin:0;line-height:1.55}Ohne früh verlegte Leerrohre wird’s aufwendig. Mindestlösung: Strom über Sockel führen; Wasser später nur mit großem Aufwand. Lieber früh vorsehen.
.fg-authorbox{margin:22px 0 0;padding:18px;background:#f2f2f2;border-radius:8px} .fg-authorbox__name{font-weight:700;font-size:18px;margin:0 0 6px} .fg-authorbox__role{font-weight:600;opacity:.85;margin:0 0 10px} .fg-authorbox__bio{margin:0;line-height:1.55}Parallel zum Grundriss, spätestens vor Werk- und Elektroplanung. So landen Wasser, Abwasser, 400 V und Abluft an den richtigen Stellen.
.fg-authorbox{margin:22px 0 0;padding:18px;background:#f2f2f2;border-radius:8px} .fg-authorbox__name{font-weight:700;font-size:18px;margin:0 0 6px} .fg-authorbox__role{font-weight:600;opacity:.85;margin:0 0 10px} .fg-authorbox__bio{margin:0;line-height:1.55}Induktion in der Regel 400 V auf eigenem Kreis; Backofen 230 V mit eigener Absicherung. Details fixiert der Elektroplan
.fg-authorbox{margin:22px 0 0;padding:18px;background:#f2f2f2;border-radius:8px} .fg-authorbox__name{font-weight:700;font-size:18px;margin:0 0 6px} .fg-authorbox__role{font-weight:600;opacity:.85;margin:0 0 10px} .fg-authorbox__bio{margin:0;line-height:1.55}Für Arbeitsgeräte plane ich 6–8 Dosen über der Arbeitsfläche plus Reserven in Ecken/Schränken. Große Geräte (GSP, Backofen, Kühlschrank) separat
.fg-authorbox{margin:22px 0 0;padding:18px;background:#f2f2f2;border-radius:8px} .fg-authorbox__name{font-weight:700;font-size:18px;margin:0 0 6px} .fg-authorbox__role{font-weight:600;opacity:.85;margin:0 0 10px} .fg-authorbox__bio{margin:0;line-height:1.55}
