Mehrspartenhauseinführung (MSH) für Gebäude ohne Keller

Eine Mehrspartenhauseinführung wirkt auf den ersten Blick technisch und sperrig, ist aber für jedes moderne Fertighaus ohne Keller ein zentrales Bauteil. Sie entscheidet darüber, ob Strom, Wasser, Telekommunikation und Gas sauber, wasserdicht und zukunftssicher ins Haus gelangen. In diesem Beitrag zeigen wir Dir verständlich, worum es bei einer MSH wirklich geht, wo typische Fehler passieren und wie Du die Montage sicher meisterst.

Illustration: Fertighaus-Guide.de / schematische Darstellung

Was eine MSH eigentlich ist – und warum sie heute Standard ist

Wenn Du ein Haus ohne Keller baust, müssen alle Hausanschlüsse durch die Bodenplatte geführt werden. Damit das sauber, dicht und normgerecht funktioniert, braucht es eine Mehrspartenhauseinführung (MSH).

Eine MSH ist ein vorkonfektioniertes Bauteil, das:

  • mehrere Leitungen gemeinsam durch die Bodenplatte führt
  • Abdichtung gegen Feuchtigkeit und Druckwasser sicherstellt
  • Schutzrohre enthält, durch die später Strom, Glasfaser, Wasser oder andere Medien eingezogen werden
  • improvisierte Einzelbohrungen ersetzt und das Risiko von Undichtigkeiten reduziert

Ohne Keller ist die MSH die zentrale Eintrittsstelle für alle Versorgungsanschlüsse – deshalb beeinflusst ihre Positionierung, Qualität und Ausführung später die gesamte Haustechnik.

Welche Leitungen durch eine MSH geführt werden

Typische Sparten sind:

  • Strom
  • Wasser
  • Glasfaser oder Telekommunikation
  • optional Gas
  • plus häufig eine oder mehrere Reservespaten

In vielen Regionen tauchen in den technischen Unterlagen der Netzbetreiber Beispielzeichnungen mit Mehrspartenhauseinführungen von bestimmten Hersteller auf. Wenn Du ein anderes System einsetzen möchtest, solltest Du deshalb immer vorher mit dem Netzbetreiber klären, ob es freigegeben ist, damit es bei der Abnahme keine Überraschungen gibt.

👉 Unser Tipp: Netzbetreiber-Vorgaben zuerst prüfen, danach erst bestellen. Viele veröffentlichen genaue PDF-Schablonen mit Abmessungen, Rohrdurchmessern und Einbaupositionen.

So wird die MSH in der Praxis eingebaut

1. Position festlegen

Die Lage der MSH wird im Ausführungsplan exakt definiert. Fehler entstehen oft dadurch, dass sie „irgendwo in der Nähe des Technikraums“ gesetzt wird. Eine ungünstige Position führt später zu Kreuzungen, unnötigen Leitungswegen oder eingeschränktem Platz für Zähler und Verteilungen.

Wir empfehlen, die MSH so zu setzen, dass:

  • der Technikraum gut erreichbar ist
  • keine späteren Rohrleitungen im Weg liegen
  • Platz für Zähler, Wärmepumpe, Speicher und Verteilungen bleibt

2. Schutzrohre verlegen

Bei Gebäuden ohne Keller werden die Schutzrohre unter der Bodenplatte verlegt. Entscheidend sind:

  • ausreichende Erdüberdeckung (oft 60–80 cm, abhängig von Frosttiefe und Region)
  • Abstand zur Plattenkante (häufig 50–100 cm)
  • keine engen Radien, um Glasfaser nicht zu beschädigen
  • kontrolliertes Gefälle nach außen
  • Setzungs- oder Frostschutz über Sandbettung oder geeigneten Unterbau

👉 Unser Tipp: Ein zusätzliches Schutzrohr einplanen. Es kostet wenig, ermöglicht später aber problemlos eine Wallbox- oder PV-Leitung.

3. Einsetzen der MSH in die Schalung

Vor dem Betonieren muss die MSH sauber positioniert und fixiert werden. Sie sollte bündig mit der Unterkante der Bodenplatte abschließen, die Dichtungen müssen sauber und unverformt sein. Rutscht die Einheit beim Betonieren, können Hohlräume entstehen oder die Abdichtung beschädigt werden.

4. Betonieren der Bodenplatte

Beim Vergießen der Bodenplatte wird die MSH vollständig vom Beton umschlossen. Der Betonierer achtet darauf, dass:

  • das Bauteil nicht verrutscht
  • keine Lufteinschlüsse bleiben
  • der Bereich gut verdichtet wird, damit keine Risse durch spätere Setzungen entstehen

5. Leitungen einziehen

Nach dem Aushärten der Bodenplatte und der Vorbereitung durch den Netzbetreiber werden:

  • Stromleitungen eingezogen
  • Wasserleitungen eingebracht
  • Glasfaser durchgezogen oder eingeblasen

Erst danach erfolgt die innere Abdichtung aller Sparten. Ab diesem Zeitpunkt ist die Hauseinführung technisch abgeschlossen.

Typische Fehler und wie Du sie vermeidest

Falsches System

Auch wenn der Fertighausanbieter ein Set empfiehlt: Entscheidend ist die Freigabe des Netzbetreibers. Ohne diese drohen Verzögerungen oder Umbauten.

Falsche Position

2 Meter in die falsche Richtung können bedeuten:

  • komplizierte Umwege im Technikraum
  • Überkreuzungen von Leitungen
  • fehlenden Platz für die Zähleranlage

Schutzrohre zu flach

Wasserleitungen oder Glasfaser sind frostempfindlich. Zu geringe Tiefe führt schnell zu Abnahmeproblemen.

Kurven zu eng

Glasfaser darf nicht unter zu kleinen Radien verlegt werden. Sonst wird die Leitung später schwer einziehbar oder beschädigt.

Abdichtung mangelhaft

Feuchtigkeitseintrag durch die Bodenplatte zählt zu den teuersten Schäden am Haus. Eine unsaubere Abdichtung ist keine Option.

Zu viele Leitungen auf zu engem Raum

Wenn Dichtungen überlastet sind, ist die gesamte MSH gefährdet.

👉 Unser Tipp: Den Einbau fotografisch dokumentieren (Höhe, Lage, Rohre, Anschlusswinkel). Das hilft bei der Abnahme und im Streitfall.

Welche MSH-Systeme am Markt üblich sind

Am weitesten verbreitet:

  • Hauff Technik „MSH Basic FUBO“
  • Hauff-Komplettsysteme mit mehreren Sparten
  • Systeme, die Fertighausanbieter selbst beistellen
  • Varianten aus dem Baumarkt (nicht immer vom Netzbetreiber akzeptiert)

Worauf Du achten solltest:

  • Anzahl der Sparten
  • passende Rohrdurchmesser
  • Abdichtungsklasse (z. B. druckwasserdicht)
  • Reservespaten
  • regionale Freigaben

Kosten einer MSH

Eine MSH ist ein kleiner, aber wichtiger Posten. Je nach Ausführung liegen die Kosten typischerweise im mittleren dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Bereich. Entscheidend ist nicht der Preis, sondern die korrekte, normgerechte Ausführung. Regionale Unterschiede sind möglich.

Wer übernimmt welche Arbeiten?

  • Tiefbauer: Rohrtrasse vorbereiten, MSH setzen
  • Betonbauer: korrekt einbetonieren
  • Netzbetreiber: Leitungen einziehen, technische Abnahme

👉 Unser Tipp: Vor Baubeginn klären, wer mit dem Netzbetreiber kommuniziert und wer die endgültige Position festlegt. Viele Verzögerungen entstehen genau an dieser Schnittstelle.

Kurz-Check: So prüfst Du Dein Angebot

  • Ist das richtige MSH-Modell für Gebäude ohne Keller vorgesehen?
  • Sind Spartenanzahl und Durchmesser passend?
  • Sind Rohrtiefe und Trassenführung plausibel?
  • Ist der Einbau vor dem Betonieren eindeutig beschrieben?
  • Sind Leistungen von Tiefbauer und Netzbetreiber sauber getrennt?
  • Gibt es eine Reserve-Leitung?
  • Ist die Dokumentation vorgesehen?

Warum eine MSH nachhaltiger ist als Einzeldurchführungen

Einzelne Kernbohrungen erhöhen das Risiko von Feuchtigkeit, schlechter Zugänglichkeit und späteren Bauschäden. Eine MSH ist:

  • wartbar
  • erweiterbar
  • dauerhaft dicht
  • zukunftssicher für zusätzliche Technik

Deshalb setzen moderne Fertighäuser fast ausschließlich auf MSH-Systeme.

Reserve-Rohr lohnt sich immer

In einem unserer Projekte wurde ein zusätzliches Rohr ohne konkreten Zweck verlegt. Monate später brauchte der Elektriker eine neue Zuleitung für eine Wallbox. Dank Reserve-Rohr konnte die Leitung problemlos nachgezogen werden – ohne Beton aufstemmen oder Einfahrt öffnen. Solche kleinen Entscheidungen zahlen sich später mehrfach aus.

Weiterlesen auf Fertighaus-Guide.de:

Erdarbeiten beim Fertighaus: mit Bodenplatte oder Keller – was du wissen musst

FAQ

Mehrspartenhauseinführung

Nachträgliche Lösungen sind möglich, aber deutlich aufwendiger. Einbau vor dem Betonieren ist technisch am saubersten.

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Redaktion Fertighaus Guide
Die Redaktion Fertighaus Guide konzentriert sich auf Entscheidungsfragen im Hausbau, die auf anderen Portalen häufig unbeantwortet bleiben. Im Mittelpunkt stehen nicht Begriffsdefinitionen, sondern die Einordnung von Zusammenhängen, Grenzen und möglichen Folgen einzelner Entscheidungen. Ziel ist eine realistische, nachvollziehbare Orientierung für fundierte Entscheidungen.

Ja. Moderne Systeme bieten Reservespaten oder erlauben das Nachziehen von Leitungen, zum Beispiel für Wallbox oder PV.

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Weil alle Leitungen durch die Bodenplatte geführt werden müssen. Eine MSH bündelt sie an einer Stelle, sorgt für Dichtigkeit und erleichtert Wartung und Erweiterungen.

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Weil viele Netzbetreiber in Beispielskizzen solche Systeme zeigen. Das bedeutet nicht, dass andere Systeme ausgeschlossen sind – aber die Freigabe muss vorher geklärt werden.

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Dann kann Feuchtigkeit in die Bodenplatte eindringen – einer der teuersten Bauschäden überhaupt. Deshalb ist fachgerechter Einbau entscheidend.

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Häufig 60–80 cm Erdüberdeckung, abhängig von Frosttiefe und Netzbetreiber-Vorgaben.

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Immer der Netzbetreiber. Seine Freigabe ist verbindlich.

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Häufig 50–100 cm, damit die Abdichtung keinen unnötigen Belastungen ausgesetzt ist.

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Mindestens Strom, Wasser und Telekommunikation. Optional Gas und ein Reservekanal für spätere Technik.

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Johann Adler
Verantwortlich für die Bereiche Technik & Energie sowie Bauphase.
Johann Adler befasst sich schwerpunktmäßig mit technischen und energetischen Fragestellungen im Hausbau sowie mit Abläufen in der Bauphase. In seinen Beiträgen legt er Wert auf eine sachliche, verständliche und nachvollziehbare Darstellung komplexer Zusammenhänge. Sein Fokus liegt darauf, technische Prozesse klar einzuordnen und für Leserinnen und Leser von Fertighaus Guide verständlich aufzubereiten.