Bemusterung im Fertighaus: Was ist das – und wie läuft sie ab?

Bemusterung = Deine Auswahl von Materialien und Ausstattung: vom Fassadenputz bis zur letzten Steckdose. Hier erfährst du, wie der Termin abläuft, was du mitnehmen solltest, welche typischen Optionen es gibt – plus Checklisten und die häufigsten Fehler.

Was bedeutet „Bemusterung“?

Bei der Bemusterung legst du gemeinsam mit dem Hersteller die Details deines Hauses fest: Außenwand- und Dachausführung, Fenster und Türen, Böden, Innentüren, Sanitär, Heizung, Elektro/Smart Home, Treppe, Sockelleisten, Farben u. v. m.
Zeitpunkt: nach Vertrag, vor der finalen Werkplanung.
Dauer: meist 1–2 Tage am Stück im Bemusterungszentrum.
Ergebnis: ein Bemusterungsprotokoll mit allen Positionen inklusive Mehr-/Minderkosten. Änderungswünsche danach sind möglich, kosten aber oft Zeit und Geld – also gut vorbereiten!

Was solltest du zur Bemusterung mitnehmen?

Unterlagen & Maße

  • Aktuelle Grundrisse, Ansichten/Schnitte
  • Vorab-Layout der Küche (falls vorhanden)
  • Maße großer Möbel/Haushaltsgeräte (Sofa, Bett, Kühlschrank, Waschmaschine, Sauna etc.)
  • Hinweise aus dem Bebauungsplan (z. B. Fassaden-/Dachvorgaben)

Budget & Prioritäten

  • Obergrenze für Upgrades + 10–20 % Puffer
  • Liste „Must-have“ vs. „Nice-to-have“

Stil & Referenzen

  • 5–10 Beispielbilder (Moodboard) für Böden, Türen, Bäder
  • Notierte Farbcodes (z. B. RAL) oder vorhandene Muster

Praktisches

  • Maßband/Lasermesser, Notizbuch, Handy + Ladegerät
  • Bequeme Kleidung/Schuhe, Wasser & Snack (Tage können lang sein)

Typische Entscheidungen – schneller Überblick

Böden

  • Laminat: günstig, robust, viele Dekore; ok für Wohn-/Schlafräume.
  • Design-/Vinyl (SPC/LVT): leise, pflegeleicht, sehr alltagstauglich – beliebt für Küche/Flur.
  • Parkett: natürlich & wertig, teurer, braucht Pflege.
  • Fliesen: für Bad/Flur/Technik; auf Rutschhemmung und Format achten.
    Merke: Sockelleisten (Material/Höhe/Farbe) und Übergänge früh mitplanen.

Innentüren

  • Oberflächen: CPL (sehr widerstandsfähig), Lack (klassisch), Furnier (natürlich), Glas (mehr Licht).
  • Technik: Magnetfallenschloss, verdeckte Bänder, ggf. Schallschutzklasse.
  • Form: stumpf einschlagend (bündig), Schiebetüren (Wandtasche), hohe Türblätter für luftiges Raumgefühl.

Bad & WC

  • Dusche: bodengleich vs. Wanne; Rinne oder Punktablauf; Glasart klar/satiniertes Glas.
  • Keramik: Form, Höhe (komfort), WC mit Softclose & ggf. Dusch-WC-Vorrüstung.
  • Armaturen: Auf-/Unterputz, Thermostat, Ausladung passend zum Waschbecken.
  • Wände/Boden: Fliesenformat, Fugenfarbe, Nischen/Abstellflächen.
    Denke an: Handtuchheizkörper, Spiegel mit Licht, Steckdosen, Abluftsteuerung.

Elektro & Smart Home

  • Steckdosen & Schalter: pro Raum ausreichend, an Betten/Schreibtisch/Tv-Wand/Esstisch; Höhe & Designserie.
  • Licht: getrennte Stromkreise, dimmbare Bereiche, Akzent- und Treppenbeleuchtung.
  • Netzwerk: LAN-Dosen Arbeitszimmer/TV/Access-Points; Leerrohre für später.
  • Außen: Steckdosen, Gartenlicht, Terrassen-Wandlampen, frostsichere Außenarmatur.
  • E-Mobilität & Technik: Wallbox-Vorrüstung, PV/Heimspeicher-Vorkehrungen, Türsprechanlage/Kamera.
  • Smart Home: von „vorbereitet“ (Leerrohre/Bus) bis „fertig konfiguriert“ (z. B. KNX/Funk).

Checkliste: 25 Fragen an den Hersteller 

  1. Was ist im Standard enthalten – was kostet Aufpreis?
  2. Wie werden Mehr-/Minderkosten dokumentiert und wann sind sie fällig?
  3. Gibt es Musterflächen im Tageslicht (Farben wirken sonst anders)?
  4. Wie viel Zeit ist für die Bemusterung vorgesehen – ist ein zweiter Termin möglich?
  5. Bis wann sind Änderungen nach Protokoll ohne/mit Kosten möglich?
  6. Welche Lieferanten/Serien stehen zur Auswahl (Böden, Fliesen, Armaturen)?
  7. Sind Sonderwünsche (fremde Produkte) grundsätzlich zulässig? Mit welchen Aufschlägen?
  8. Wer plant die Elektro – gibt es eine Steckdosen-/Licht-Empfehlung pro Raum?
  9. LAN/Leerrohre im Standard? Wie viele Datenpunkte?
  10. Barrierefreiheit/Komforthöhen (Türen, Schalter, Sanitär) möglich?
  11. Schallschutz bei Innentüren/Decken optional?
  12. Feuchteschutz in Bädern: Abdichtung, Gefälle, Silikon/Fuge – wer macht was?
  13. Wandaufbau für schwere Hängeschränke/TV – zusätzliche Verstärkungen?
  14. Treppe: Oberfläche, Rutschschutz, Kindersicherheit, Beleuchtung.
  15. Fenster/Türen: Sicherheitsstufe, Pilzkopfverriegelung, RC-Klassen, Kindersicherung.
  16. Sonnenschutz: Rollläden/Raffstores – manuell, elektrisch, smart?
  17. Heizung/WW: genaue Gerätesteuerung, Förderfähigkeit, Schallwerte.
  18. Lüftung: Filterklassen, Wartung, Ersatzfilter-Kosten.
  19. Außenanschlüsse: Wasser/Steckdosen, Außenleuchten, Markisen-Vorrüstung.
  20. Garage/Carport-Vorrüstung: Strom, Licht, Fundamentdetails.
  21. Garantie & Service: Laufzeiten, Ansprechpartner, Reaktionszeiten.
  22. Eigenleistungen: was darfst du selbst machen, ohne Gewährleistung zu verlieren?
  23. Reinigung/Schutz während Bauphase (z. B. für Parkett/Treppe)?
  24. Dokumente: erhältst du eine vollständige Bemusterungsliste mit Artikelnummern/Farbcodes?
  25. Protokollfreigabe: bekommst du das Protokoll vorab zur Prüfung (48–72 h)?

👉 Noch mehr Fragen? Die große 90+ Punkte-Checkliste (PDF) wartet unten am Artikelende.

Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest

  • Ohne Plan ins Zentrum: Komme mit Moodboard, Budget und Prioritätenliste.
  • Elektro zu spät gedacht: Steckdosen/Licht/Netzwerk unbedingt vor Ort durchgehen – Raum für Raum.
  • Küche nicht abgestimmt: Ohne Küchenlayout fehlen dir Anschlüsse an den richtigen Stellen.
  • Akustik ignoriert: Türen mit Schallschutz, weiche Bodenbeläge oder Akustikpaneele einplanen.
  • Außenbereiche vergessen: Außensteckdosen, Gartenwasser, Licht, Wallbox-Vorrüstung.
  • Farben nur unter Kunstlicht gewählt: Muster ans Fenster halten, wenn möglich draußen prüfen.
  • Nur Optik, keine Pflege: Frage nach Abriebklassen, Rutschhemmung, Reinigungsaufwand.
  • Keine Fotos/Notizen: Alles dokumentieren – hilft bei Rückfragen nach dem Termin.
  • Protokoll nicht geprüft: Zahlen, Mengen, Richtungen (Türanschlag!), Farbcodes gegenlesen.

Raum-für-Raum-Mini-Leitfaden (zum schnellen Abhaken)

  • Diele/Flur: robuste Böden, Garderoben-Strom, Bewegungsmelder, LAN fürs WLAN-AP.
  • Wohnen/Essen: TV-Wand (Strom/LAN), dimmbares Licht, viele Steckdosen bei Sofa/Esstisch.
  • Küche: Geräteanschlüsse, Arbeitsflächenlicht, Wasser-/Abwasserhöhen, Steckdosen über der Arbeitsplatte.
  • Büro: mindestens 2×LAN, Blendfreiheit am Arbeitsplatz, genügend Steckdosen.
  • Schlafen: Schalter/Steckdosen beidseitig am Bett, ggf. USB, gedimmtes Licht.
  • Kinderzimmer: robuste Böden, viele Dosen, späteres Hochbett/Schreibtisch bedenken.
  • Bad: Nischen, Handtuchheizer, Spiegellicht, genügend Steckdosen, rutschhemmende Fliesen.
  • Hauswirtschaft/Technik: Bodenablauf, Arbeitsfläche, große Steckdosenreserven, LAN für Technik.
  • Außen: Terrassen-/Gartenlicht, Außensteckdosen, Wasserhahn, Markisen-Vorrüstung.

Unser Tipp

Blocke dir vorab einen halben Abend und „geh“ deinen Grundriss gedanklich ab – Raum für Raum. Notiere, wo du stehst, sitzt, arbeitest, kochst. Alles, was du später täglich nutzt (Lichtschalter, Steckdose, Handtuchhalter, LAN-Dose), sollte bei der Bemusterung bewusst entschieden werden – das spart Nerven und Mehrkosten.

📌 Mit Budget, Küchenlayout und unserer Checkliste gehst du vorbereitet in den Termin – und hältst Kosten und Extras im Griff.

Download: Bemusterung im Fertighaus – 90+ Punkte Checkliste (PDF)

FAQ

Bemusterung im Fertighaus

Teilweise – es gibt oft Prüf-/Koordinationsaufschläge. Unbedingt vor Vertragsabschluss klären.

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Redaktion Fertighaus Guide
Die Redaktion Fertighaus Guide konzentriert sich auf Entscheidungsfragen im Hausbau, die auf anderen Portalen häufig unbeantwortet bleiben. Im Mittelpunkt stehen nicht Begriffsdefinitionen, sondern die Einordnung von Zusammenhängen, Grenzen und möglichen Folgen einzelner Entscheidungen. Ziel ist eine realistische, nachvollziehbare Orientierung für fundierte Entscheidungen.

Vieles lässt sich vorab digital sichten. Die finale Farbwahrnehmung und Haptik klärst du aber am besten vor Or

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Redaktion Fertighaus Guide
Die Redaktion Fertighaus Guide konzentriert sich auf Entscheidungsfragen im Hausbau, die auf anderen Portalen häufig unbeantwortet bleiben. Im Mittelpunkt stehen nicht Begriffsdefinitionen, sondern die Einordnung von Zusammenhängen, Grenzen und möglichen Folgen einzelner Entscheidungen. Ziel ist eine realistische, nachvollziehbare Orientierung für fundierte Entscheidungen.

Ja, aber nach Protokollfreigabe oft mit Aufpreis/Verzögerung. Darum gründlich prüfen.

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Redaktion Fertighaus Guide
Die Redaktion Fertighaus Guide konzentriert sich auf Entscheidungsfragen im Hausbau, die auf anderen Portalen häufig unbeantwortet bleiben. Im Mittelpunkt stehen nicht Begriffsdefinitionen, sondern die Einordnung von Zusammenhängen, Grenzen und möglichen Folgen einzelner Entscheidungen. Ziel ist eine realistische, nachvollziehbare Orientierung für fundierte Entscheidungen.

Der Termin selbst ist meist inklusive. Upgrades kosten extra; frage vorher nach Preiskatalog/Serien.

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Redaktion Fertighaus Guide
Die Redaktion Fertighaus Guide konzentriert sich auf Entscheidungsfragen im Hausbau, die auf anderen Portalen häufig unbeantwortet bleiben. Im Mittelpunkt stehen nicht Begriffsdefinitionen, sondern die Einordnung von Zusammenhängen, Grenzen und möglichen Folgen einzelner Entscheidungen. Ziel ist eine realistische, nachvollziehbare Orientierung für fundierte Entscheidungen.

Meist 1–2 volle Tage. Für große Häuser oder viele Sonderwünsche kann ein Zweittermin sinnvoll sein.

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Redaktion Fertighaus Guide
Die Redaktion Fertighaus Guide konzentriert sich auf Entscheidungsfragen im Hausbau, die auf anderen Portalen häufig unbeantwortet bleiben. Im Mittelpunkt stehen nicht Begriffsdefinitionen, sondern die Einordnung von Zusammenhängen, Grenzen und möglichen Folgen einzelner Entscheidungen. Ziel ist eine realistische, nachvollziehbare Orientierung für fundierte Entscheidungen.
Markus Baumholz
Verantwortlich für Beiträge zum Thema Bauvorbereitung.
Markus Baumholz beschäftigt sich in seiner redaktionellen Arbeit vor allem mit Themen der Bauvorbereitung und Planung. In seinen Artikeln ordnet er frühzeitige Entscheidungsfragen, typische Abläufe und planerische Zusammenhänge strukturiert und verständlich ein. Ziel seiner Beiträge ist es, Leserinnen und Lesern eine realistische und fundierte Orientierung für die Planungsphase eines Bauprojekts zu bieten.